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Beginn: 2. Mai 1998 letzte Änderungen: 8. November 1998

Veröffentlicht in: SEMINAR - Lehrerbildung und Schule 2/1998; Multimedia, S. 41 - 50; Merkur Verlag Rinteln

Das Internet - Möglichkeiten zur Nutzung in der zweiten Ausbildungsphase

Vorlage zur Fachleiterkonferenz Freitag, 8. Mai 1998

Ludger Humbert

1.  Das existierende Netz

Das Studienseminar steht in Wechselwirkung mit oder im Spannungsfeld von - ganz nach Sichtweise - verschiedenen Institutionen:

Die Struktur innerhalb des Studienseminars ist durch verschiedene Sichten geprägt. In der Abb. wird einmal die fachbezogene Sicht auf eine Referendarin1 illustriert.

Abb. 1: Exemplarische mehrdimensionale Sichtweise auf die Referendarin Frau Vogelsang: Fächer Informatik und Mathematik

So ist jede Referendarin Mitglied`` in zwei verschiedenen Fachseminaren und einer Hauptseminargruppe; sie ist außerdem in einer Schulgruppe. Dabei lasse ich jetzt außer Acht, daß sie ebenfalls weitere ,,Gruppenzugehörigkeiten``, wie z.B. Aktivitäten in Arbeitskreisen; in der LAK; in überregionalen Zusammenhängen, ehemalige Kommilitoninnen; ...

Für unsere Arbeit sind zur Zeit die Fächer dominant. Wir können eine Matrix aufstellen, die für alle Referendarinnen die Zugehörigkeit zur Hauptseminar- und Fachseminargruppe, die Zuordnung der Ausbildungsschule(n), die Arbeitsgruppen umfassen.

2.  Organisationsanalyse

ist Bestandteil meines Fachs. Glücklicherweise bin ich nicht dazu aufgefordert, Rationalisierungpotentiale herauszufinden, sondern kann ,,unter Gleichen`` den Versuch unternehmen, unsere Arbeit effektiver zu organisieren, damit sie besser wird.

Damit ich hier nicht ,,aus dem hohlen Bauch`` heraus einfach Möglichkeiten darstelle, habe ich in meiner bisherigen Arbeit als Fachleiter für Informatik versucht, mit unterschiedlichen technischen Hilfsmitteln (siehe Abb.) die Fachseminararbeit zu unterstützen und so erste Erfahrungen zu sammeln. Diese stelle ich im folgenden kurz vor und versuche dann, eine Perspektive für andere Fachseminare, das Hauptseminar und weitere vernetzte Strukturen abzuleiten.

Abb. 2: Unterstützung der Fachseminararbeit durch Internettechnik - hier FS IF

Die Voraussetzungen wurden durch das große Engagement der Referendarinnen des Fachseminars Informatik geschaffen: alle Referendarinnen verfügen über Eine _private_ EMail-Adresse. Leider waren die Ausbildungsschulen bisher nur zum Teil in der Lage, meine Referendarinnen mit einer EMail-Adresse zu versehen. Dies führt u.a. zu der Überlegung, allen Referendarinnen des zukünfigten Ausbildungsjahrgangs eine seminarbezogene EMail-Adresse zu geben.

Die Ergebnisse sind zum Teil ermutigend und führten im Laufe des Jahres 1997 sowohl zu Erweiterungen, wie auch zur Zurücknahme von Anforderungen:

Abb. 3: Informatik Fachseminarchat vom 21. Oktober 1997

Abb. 5: Kalenderverwaltung mit Internetunterstützung (hier BSCW) - jeder hat eine eigene Sicht und kann andere einladen, Erinnerungen verschicken, Material beifügen, uvam.

Der Einsatz moderner und vor allem - das ist auch vielen (ja sogar Informatik-) Lehrerinnen nicht bekannt - kostenloser Software (ein Beispiel für den Musiker Abb. 6) erstreckt sich auf immer mehr Bereiche, die dem kommerziellen Zugriff deshalb entzogen werden, weil Gruppen von engagierten Entwicklern Software für ihre eigene Arbeit entwickeln und unter das sogenannte Copy left stellen (GPL), die ausdrücklich die Weitergabe von Software - auch gegen Erstattung der Kosten - gestattet, allerdings um den Preis, dass die Quellen weitergegeben werden müssen.

Abb. 6: Rosegarden - Software für den Musiker: Ausgabe als Midi-Datei, als TEX -Datei (für den Druck - auch auf beliebig _gut_ auflösenden Geräten wie Belichtern)

3.  Elektronische Postfächer

Mit technisch elaborierten Systemen arbeiten wir schon lange, um unseren Alltag zu bewältigen. Der grundlegende Unterschied neuerer Systeme, die ,,Informatik inside`` als Label haben, besteht darin, daß jedermann glaubt, dadurch im Prinzip alles mit der jeweiligen Weichware erreichen zu können. Dies ist im Prinzip richtig: mit jeder - noch so rudimentären Programmiersprache - läßt sich letztlich alles programmieren. Deshalb verspricht Software immer die Lösung aller Probleme.

Ich bin lange genug (seit 1972, als ich im meinem 1. Informatikstudium begann) ,,im Geschäft`` und kenne die sich über die Jahre nicht verändernden Grundlagen und wundere mich immer noch darüber, dass es eine Reihe von Menschen gibt, die viel Geld bereit sind zu investieren und anschließend noch mehr Zeit, um einfachste Arbeiten mit einem i.d.R. softwaretechnisch unzulänglich ausgestatteten Computer ausführen zu können.

Gehen wir mal konkret an die Probleme, die sich mit technischer Unterstützung möglicherweise besser handhaben lassen. Dabei lege ich ein Organisationsmodell zugrunde, das die Postfachmetapher`` zur Grundlage macht.

Voraussetzungen:

Alle HFSL (= Haupt- und Fachseminarleiter) haben ein seminarbezogenes elektronisches Postfach . Die technischen Voraussetzungen dafür sind im Studienseminar Hamm grundsätzlich vorhanden. Natürlich haben bereits einige von Ihnen einen privaten elektronischen`` Briefkasten (ich bin zur Zeit z.B. über die Internet-Adresse Humbert@Hagen.de privat erreichbar). Außerdem haben bereits einige von Ihnen einen schulbezogenen elektronischen`` Briefkasten (da lautet z.B. meine Adresse LHumbert@GE-Haspe.HA.nw.schule.de).

Zum dritten gibt es noch ein weiteres elektronisches Fach``: im Seminarzusammenhang: Humbert@semsek2.ham.nw.schule.de

Es ist nun aber -im Unterschied zu real existierenden Fächern/Briefkästen - nicht so, daß ich jetzt täglich zu allen meinen elektronischen Briefkästen hinfahren müßte, um die für mich eingegangene Post zu holen``. Es gibt ein technisches Verfahren, um die Post automatisch an eine andere Adresse weiterzuleiten (so etwas richtet der jeweilige Postmaster bei Bedarf ein, oder sie verrät Ihnen zumindestens, wie Sie es selbständig einrichten können).

3.1  Seminarbezogene Mailadressen

sollten für alle am Studienseminar tätigen Kolleginnen und für alle Referendarinnen vergeben werden. Hier schließe ich ausdrücklich die Kolleginnen im Sekretariat mit ein!

Es ist guter Stil, im Internet bereits durch die eigene Adresse deutlich zu machen, dass sich hinter einer Adresse ein Universität, eine Schule, ein Studienseminar, allgemeiner: eine Institution verbirgt.

Als Absender in unserer Eigenschaft als Fachleiterin geben wir ja auch die komplette Postadresse

Studienseminar für die Sekundarstufe II
Hamm
Fachleiterin für Deutsch
...
Museumstraße 8
59065 Hamm

an und nicht einfach unseren Namen mit der Strasse.

Diese Post (im Zeitalter von E-Mail wird sie auch gerne als Snail-Mail bezeichnet) landet dann physikalisch in unserem Fach im Studienseminar.

Die uns vom Deutschen Forschungsnetz in Zusammenarbeit mit dem Offenen Deutschen Schulnetz vergebene Adresse lautet:

...@semsek2.ham.nw.schule.de

Die ... können wir autonom vergeben. Es hat sich gezeigt, dass es nicht sinnvoll ist, hier Funktionen anzugeben, sondern Namen oder Namensteile. Dabei sollten/dürfen aus Gründen der Einheitlichkeit resp. aus technischen Gründen keine be sonderen Zeichen verwendet werden: z.B. keine Umlaute (technische Gründe). Die Schreibweise bzgl. der Klein- oder Großschreibung ist für Mailadressen freibleibend2 .

Zum Prozedere: Da nach meiner Meinung mit der Arbeit noch im laufenden Ausbildungsjahrgang begonnen werden sollte, ist es möglich, bereits jetzt nach und nach Erfahrungen zu sammeln, die für den nächsten Jahrgang dann nutzbar sein werden.

Ich glaube nicht, daß Sie dies so nebenbei machen können, dafür handelt es sich um zu viele Details, die gerade auf Novizen einströmen.

Andererseits werden Sie alle die Vorteile der elektronischen Kommunikation sehr schnell erkennen und diese Technik ausgiebig nutzen.

Konkret: alle, die es wünschen, werden mit Hilfe des Fachseminars Informatik eine Mailadresse erhalten; auch erste Schulungen in der Nutzung der vorhandenen - sehr bescheidenen - Infrastruktur können noch mit dem laufenden Jahrgang durchgeführt werden.

Damit schaffen Sie eine Basis - Erfahrungen, die Sie im nächsten Ausbildungsdurchgang nutzen können.

3.2  E-Mail für Haupt- und Fachseminarleiterinnen

Die grundlegende Idee: vorhandene Strukturen werden in den ,,virtuellen Raum`` abgebildet - nicht umgekehrt. Die vorhandenen Strukturen sind bereits unter ,,Das existierende Netz`` angerissen.

Es gibt Zwangsmitgliedschaften`` der Haupt- und Fachseminarleiterinnen (im Folgenden mit HFSL abgekürzt) auf Grund des grundlegenden Organisationsprinzips der Zuordnung: HS resp. FS.

Aus diesem Prinzip der Zuordnung ergeben sich die folgenden, sinnvollen Zusammenschlüsse: jeder von uns gehört mindestens einer Gruppe an: dem Hauptseminar resp. der Gruppe der Fachleiter mit einem gemeinsamen Fach. Für diese Gruppen gibt es bereits normale Post-Verteiler. Im Seminar wird dies - wie an Schulen und in der freien Wirtschaft auch - mit Hilfe von Postfächern und Verteilerlisten organisiert. Sollen alle erreicht werden, wird z.B. ein Aushang an einem Ort gemacht, den alle regelmäßig aufsuchen oder - wenn die Information wichtiger ist, wird eine entsprechende Anzahl von Kopien gezogen und jedem von uns eine Kopie ins Fach gelegt.

Sollen alle Mitglieder einer Arbeitsgruppe erreicht werden, so legt man eben diesen Personen einen Zettel ins Fach, ...

Diese Strukturen können in die Listenstrukturen abgebildet werden.

Die Voraussetzung dafür ist: alle HFSL müssen eine Mailadresse erhalten und in die Lage versetzt werden, ihre elektronische Post auch abzuholen.

3.2.1  Gruppenbildung: hier Listen von Haupt- und Fachseminarleiterinnen

Beispiele:

3.2.2  Arbeitskreise

umfassen i.d.R. in erster Linie Personen aus dem Kreis der HFSL, aber auch Referendarinnen. Hier sind ebenfalls pro Arbeitskreis alle Personen, die in einem Arbeitskreis mitarbeiten, über eine Liste mit einem sprechenden Namen erreichbar.

Beispiel:

ak-IuK Arbeitskreis Informations- und Kommunikationstechniken

3.3  E-Mail für Referendarinnen

Sie haben es vielleicht schon festgestellt: nach und nach haben immer mehr Referendarinnen eigene E-Mail-Adressen, sei es aus eigenem Antrieb privat oder durch schulische Zusammenhänge an ihrer Ausbildungsschule. Da die Referendarinnen im Ausbildungszusammenhang ins Seminar kommen, haben sie dort ein Postfach, also sollten sie dort auch eine Mailadresse erhalten. Die Verteilung von Informationen an Gruppen von Referendarinnen läßt sich dann mit einer Mail an die Gruppe erledigen, kein Kopieren mehr, keine Angst, eine zu vergessen, ...

Beispiele für (Mail-) Listen von Hauptseminargruppen und Fachseminargruppen:

fs-sowi Fachseminargruppe Sozialwissenschaften
fs-informatik Fachseminargruppe Informatik
fs-mathe1 Fachseminargruppe... (Mathematik)
fs-mathe2 Fachseminargruppe...(Mathematik)
fs- ... ...
hs-g1 Hauptseminargruppe ...

Die sind natürlich ersteinmal Vorschläge. Die konkrete Struktur wird sich erst mit der Zeit und mit konkreten Anforderungen entwickeln.

4.  To Do-Liste

Welche Schritte sind zu tun, damit die beschriebenen Funktionen nutzbringend eingesetzt werden können.

Sie alle erhalten - auf Antrag`` - alle eine seminarbezogene Mailadresse. Jede Mailadresse bedeutet auch eine gewisse Verantwortung:

Sobald diese nämlich eingerichtet ist, müssen Sie Ihr elektronisches Fach auch regelmäßig leeren (einmal pro Woche ist zu Beginn sicherlich ausreichend). Alle, die bereits eine private oder schulbezogenen Mailadresse haben, können auf ihrem Antrag`` angeben, ob und wenn ja, an welche Adresse die Mail weitergeleitet werden soll.

Maillisten werden für den laufenden Jahrgang nicht mehr eingerichtet, weil diese Einrichtung eine permanente Internetanbindung voraussetzt. Außerdem sollten die jeweilig verantwortlichen Fachleiter dann eine Schulung für die Nutzung von Maillisten erhalten.

Referendarinnen erhalten ebenfalls auf Antrag`` eine seminarbezogene Mailadresse.

4.1  Der Preis?

Da wir bisher keinen Förderverein für das Studienseminar aufgebaut haben, möchte ich anregen, daß wir pro Mailadresse einen Administrationsaufwand von 5,- DM / Monat in Rechnung stellen`` sollten. Dieses Geld sollte zweckgebunden für den weiteren Ausbau der informationstechnischen Infrastruktur eingesetzt werden:

5.  Außendarstellung, Kontakte

Die Webdarstellung wurde, nachdem uns die Möglichkeit über das Deutsche Forschungsnetz kostenlos ermöglicht wurde, von den Mitgliedern der Fachgruppe Informatik vorbereitet und realisiert. Auf diese Art konnten erste Erfahrungen mit der Erstellung einer rudimentären Darstellung gewonnen werden.

Diese erste und vorläufige WWW-Darstellung finden Sie zur Zeit unter der Adresse:

http://www.shuttle.schule.de/ham/semsek2

Die Redaktionskonferenz (siehe Abb. 7), die im Februar 1998 erstmalig tagte, hat deutlich gemacht, daß es nun darum geht, eine ,,offiziellere`` Darstellung zu erstellen.

Abb. 7: Vorlage zur Redaktionskonferenz

Dazu hat Herr Görlich in den letzten Wochen einen Vorschlag entwickelt.

Unsere zukünftige Adresse wird (in stärkerer Anlehnung an die Mailadresse)

http://www.ham.nw.schule.de/semsek2/

lauten.

Jedes Fach wird einen eigenen Bereich haben, der von den jeweiligen Fachleiterinnen gemeinsam gestaltet werden kann.

Für die Grundstruktur sollte immer daran gedacht werden, daß es sich im Wesentlichen um eine öffentliche Präsentation handelt, die verschiedene Adressaten hat:

Die Navigation soll so einfach wie eben möglich sein; Informationssuchende sollten mit möglichst wenigen Überlegungen (zwei Klicks) zum gewünschten Ziel kommen.

Gerade im Zusammenhang mit den veränderten Rahmenbedingungen (neue OVP) stellen auf der Ebene der Außendarstellung erweiterte Angebote über das WWW ohne Zweifel auch eine neue Qualität dar.

Seien Sie aber gewarnt: es ist sehr leicht, mal eben einige WWW-Seiten zu erstellen. Das Internet ist aber keine riesengroße Broschüre, sondern ,,lebt von der Interaktivität``, d.h. der Motor ist nicht die Statik, sondern vielmehr die Veränderung. Für die Pflege eines einmal eingestellten Angebots müssen Sie mindestens soviel Zeit einplanen, wie Sie für die Ersterstellung benötigen.

Alle WWW-Seiten sollten regelmäßig auf ihre inhaltliche Konsistenz hin abgeklopft werden. Verbindungen (sogenannte Links) zu anderen Dokumenten müssen stimmen. Überprüfen Sie das bitte regelmäßig.

Ludger Humbert
StD Studienseminar (SII) Hamm


Fußnoten:

1 Nach den Auseinandersetzungen um die Schreibweise und Berücksichtigung von Männern und Frauen in allgemeinen Beschreibungen habe ich mich dafür entschieden, nur  die weibliche Form zu wählen, Männer sollten sich nicht benachteiligt fühlen, sie sind auch gemeint.

2 nicht aber für WWW-Seitenangaben, sogenannte URLs


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